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Eine Nacht im Governors Camp

 

Auf einer anderen Safari unterwegs zur Masai Mara haben wir uns auch vielleicht zu lange beim Mittagessen aufgehalten oder stöberten etwas zu lange in den Andenkenläden herum, jedenfalls erreichten wir das Nordost-Gate der Mara mit ziemlicher Verspätung.
Ali Rajab, unser Fahrer, machte uns klar, daß wir wohl unser Ziel, die Keekorok-Lodge, nicht mehr erreichen würden, da nächtliche Fahrten in Nationalparks natürlich verboten sind. So steuerte er kurzerhand das direkt am Mara-River gelegenen Governors-Camp an. (Das Governors-Camp ist eine der teuersten und luxurösesten Zeltcamps in Kenia!).
Wir hatten gemischte Gefühle, als Ali versuchte, dem Geschäftsführer klarzumachen, daß wir hier bleiben müssten. Es hieß sogar, daß wir die Übernachtungen von je 350US$ selbst bezahlen sollten. Ein Funktelefonat nach Nairobi jedoch, so etwas gibt es inmitten der Savanne auch, bewirkte die Freigabe durch den Reiseveranstalter. Wir waren schlichtweg begeistert! Jede Partei bekam ein riesiges Zelt mit allem Komfort: Holzfußboden, Doppelbett, Schreibtisch und Kleidertruhe, einwandfreiem gemauertem Sanitärtrakt, Beleuchtung per Gaslaternen und einer Taschenlampe. Schnell hatten wir uns eingerichtet und trafen uns zum Abendessen in der großen Halle neben der Rezeption. Unterwegs dorthin beobachtete ich Ranger mit Gewehren, in deren Mündung ich einen Daumen hätte stecken können! Später erfuhr ich, daß dieses Camp ein besonderes Haustier hatte: Einen ausgewachsenen wilden Elefanten .

Das Essen war vorzüglich. 4 oder 5 Gänge, von schnieke gekleideten Kellnern perfekt serviert, dann die Massai-Krieger mit ihren Kriegstänzen und ihren meterhohen Sprüngen. Einige von denen erkannte ich dann später unter den Kellnern wieder, die mit weißem Hemd und Fliege uns Gästen das Bier servierten. Der Abend ging draußen am Lagerfeuer zu Ende. Einige sangen deutsche Volkslieder, andere lachten sich darüber kaputt.
Kaum ein paar Meter in Richtung Zelt gegangen, war ich froh über die Begleitung eines bewaffneten Rangers, der überraschend aus dem Dunkel auftauchte.
Der Abstand zwischen meinem Zelt und dem Mara River betrug nur ca. 10 Meter. Ein Holzgeländer sollte vor einem Sturz in den tief unten fließenden Fluß verhindern. Obwohl todmüde, konnte ich nicht einschlafen. Draußen raschelte und knackte es, manchmal streifte das Licht eines Scheinwerfers das Zelt. Da musste was los sein! Ich sprang aus meinem Bett, linste durch einen Spalt im Reißverschluss des Zeltes und sah mit Herzklopfen, wie sich dieser riesige Elefant über die Blätter und Zweige des Baumes direkt vor meinem Zelt hermachte. Immer wieder wurde er von den Taschenlampen der Ranger angestrahlt. Er ließ sich nicht stören und zerlegte den Baum mit aller Sorgfalt und großem Appetit. Ich schaute mich um und entschied mich, im Ernstfalle als einzig gute Rückzugsmöglichkeit das am hinteren Ende des Zeltes angebaute steinerne Sanitärhäuschen zu nutzen. So weit kam es jedoch nicht, obwohl diese Aufregung bis zwei Uhr nachts dauerte.
Am nächsten Morgen sah ich dann die Bescherung. Das Geländer am Abgrund war komplett zertrümmert, der Baum nur noch eine Ruine! Nur gut, daß dieser Elefant lediglich seinen Hunger stillen wollte und nie im Sinne hatte, mich im meinem Zelt zu besuchen...

 
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