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Die Bogoria / Baringotour
Erinnerung an 1992

 

Vom Lake Nakuru über Bogoria und Baringo zum Shaba Nationalpark

Diese Etappe im Jahre 1992 war ein Experiment der Reisegesellschaft, auch einmal andere Orte und Landschaften vorzustellen, und ich war natürlich wie zufällig dabei.
Auf unserer Safari starteten wir von der Lion Hill Lodge, einer sehr feinen an einem Abhang mit Blick auf den Lake Nakuru gelegenen Lodge früh morgens die Weiterfahrt zum Shaba National-Park im Gebiet des Samburu. Jedoch sollte uns diese Fahrt über die westliche Route via Lake Bogoria und Lake Baringo zum Ziel führen.
Schon in Nakuru hatten wir den Eindruck, daß sich unser Busfahrer nicht so recht orientieren konnte. Jedenfalls lernten wir auf diese Weise diese große und bedeutende kenianische Stadt gut kennen, ehe wir uns endlich auf der richtigen sehr neuen Asphaltstraße befanden.
Wieder über den Äquator und, ich weiß nicht mehr, wie lange, erreichten wir dann das Baringo-Gebiet.
Die Landschaft war schroffer und wilder geworden mit ihren hohen Bergen und den steilen Schluchten.
Wir bogen schließlich von der Straße nach rechts ab, passierten kleine Ansammlungen von Hütten, sahen schilfbewachsene Feuchtgebiete, bis wir den Haupteingang zum Lake Bogoria Nationalpark erreichten, dem Maji Moto Gate.
Mich überfiel hier eine merkwürdige Stimmung, als befände ich mich an einem Ort, an dem ich schon einmal gewesen war. Rechts stand ein großes vornehmlich aus Holz gebautes etwas baufälliges Gebäude, das wie ein Restaurant aussah. Es hatte eine große Terrasse, auf der sich die Gäste in vergangener Zeit in luxuriösem Ambiente wohl Kaffe und Kuchen servieren ließen.
Der Name des Restaurants war oder ist immer noch Papyrus Inn.

Nun standen nur noch ein paar unbenutzte Stühle dort herum.

Man hat mir erzählt, daß die Besitzer vor sehr langer Zeit dort am Bogoria-See Falken züchteten und die dann den Arabern als Jagdfalken verkaufen wollten.
Jedenfalls ist dieser Ort der Gemütlichkeit und das Ziel Bogoria leider nicht so populär, obwohl die Erlebnisse die eines Besuches am Lake Nakuru sicher übertreffen!

Außer uns stand nur noch ein Pkw vor dem Gate.
Nach der kurzen Pause starteten wir zum See. An einem hoch gelegenen Platz mit guter Aussicht stoppten wir, stiegen aus und verschafften uns einen ersten Überblick über den See, insbesondere natürlich auf die Nebelschwaden und Dämpfe der Geysire.

Ehefrau (aus dem Emsland, mit rollendem R): "Du, da sind welche drin"
Ehemann (wissend) : "Natürlich, weil es da warm ist!"
Immerhin war es auch hier oben mindestens schon 28 Grad heiß!

Herrlich! Diese Situation hätte bei mir beinahe ein Unglück ausgelöst, hatte ich es doch versäumt, vorher ´mal kurz für kleine Jungs....

Schnell erreichten wir den Parkplatz (Hot Springs) am Rande des Sees und strebten auf die heißen Quellen und Geysire zu. Wirklich echte Geysire! Wie auf Island oder im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark gluckerten die Quellen, Löcher nur im Felsboden, bis dann plötzlich ein breiter siedendheißer Wasserstrahl über 5 Meter und mehr in die Höhe schoss.

 
 
 
 
Andere Fontänen bliesen ständig dieses Wasser-Dampfgemisch meterweit in die Höhe.
Überall brodelte und blubberte es, überall war Sauna.
Es roch nach verfaulten Eiern, besonders nahe am See wurde es für unsere Nasen ziemlich unangenehm.
Am flachen Ufer des Sees sahen wir die Flamingos, die wie am Lake Nakuru auch in diesem Sodasee ihre Nahrung finden.
Als im Jahre 1994 der ca. 65 km entfernte Lake Nakuru austrocknete, versammelten sich alle Flamingos hier. Mir schien bei diesem Zeitpunkt, als wären auch wieder alle da!

Hardy Krüger selbst hatte in diesem Wasser schon einmal seine Frühstückseier gekocht, und in einem Bach trieb eine "gekochte" Agame.


Wir hatten noch eine gewaltige Strecke vor uns. So erreichten wir etwas spät die Lodge am Lake Baringo zum Mittagessen.
Der Baringo ist ein Süßwassersee, umgeben von Farmen und Landwirtschaft. Mitten im See liegt eine große Insel (Ol Kokwe Island), auf der sich sogar ein Zeltcamp befindet. Die Bewohner dieser Insel, Viehbauern, treiben ihre Kühe zur Viehauktion ins Wasser und lassen sie zum Ufer in das Dorf Kampi ya Samaki schwimmen und begleiten sie dabei mit ihren Papyrusbooten.
Wie der Bogoria ist auch der Baringo ein Vogelparadies, nur, daß es hier auch recht aggressive Hippos und auch Krokodile gibt.


Wir hatten Hunger und sehr viel Zeit! Bis es in der Lodge für uns etwas zu Essen gab, war es schon beinahe Teezeit. Irgendwie war die Information nicht nach hier vorgedrungen, daß wir heute und um diese Zeit eintreffen würden.
Na ja, schließlich gab es dann für uns wenigstens nicht nur Spiegeleier.
Zur Weiterfahrt hatte unser Busfahrer sicherheitshalber einen jungen Einheimischen engagiert, der uns auf dem Weg bis zum Shaba Reservat begleiten und vor allem ihm den Weg zeigen sollte. Wir durchfuhren das Gebiet "West Pokot" und damit eine Gegend, die von Touristen vorher wohl nur sehr selten besucht worden ist.

Sehr hohe mit dichtem Dornbusch bewachsene Berge (2000 Meter) beherrschten jetzt die Landschaft, atemberaubend die Aussicht nach Osten über die Weiten der Laikipia-Ebene hinweg und bei guter Sicht vielleicht bis hin zum Mt. Kenya.
Uns begegnete ein Trupp von einheimischen Pokott, einem Stamm, der hier noch wie vor Urzeiten in diesem Teil Kenias lebt. Die Leute befanden sich offensichtlich auf einem Umzug in eine neue Wohngegend und transportierten ihren Hausrat auf Eseln oder schleppten ihn einfach auf zwei dünnen Baumstämmen befestigt hinter sich her.
Unser Fahrer rief mit weit aufgerissenen Augen nur noch laut, daß wir die Fenster schließen und die Kameras nicht benutzen sollten!
Die Menschen hier haben eine völlig schwarze Hautfarbe und laufen in einer Bekleidung herum wie vor 300 Jahren.

Wir fuhren an einem Dorf vorbei und sahen mit Federn und Perlenketten unglaublich bunt geschmückte Menschen so wie in einem alten Film der 50ger Jahre!
Später klärte uns der Fahrer auf, daß im vorigen Jahr einer seiner Kollegen bei einem Streit mit diesen Ureinwohnern getötet worden war, nur weil die Fahrgäste diese Leute fotografiert hatten.
Nun, der neue Begleiter von der Baringo-Lodge kannte den Weg .


Nach der Begegnung mit den Pokott änderte sich die Landschaft. Wir fuhren jetzt wieder in Richtung Osten. Die hohen Berge verschwanden nach und nach, der Bewuchs jedoch war immer noch von Dornbuschsträuchern beherrscht, wechselte dann zu einer leicht hügeligen offeneren Grassavanne mit einzelnen höheren felsigen Bergen.
Die Wege wurden etwas angenehmer befahrbar, am Straßenrand deuteten tiefe von den hier lebenden Bewohnern gezogene Gräben darauf hin, daß die Wasserfluten während der Regenzeiten in geregelte Bahnen geleitet werden sollten.


Ein Samburuhirte zog mit seinem Kamel des Weges, und schließlich erreichten wir ein Dorf, in dem wir Rast machten. Wir waren in Archers Post, am nördlichen Rande der Nationalparks Samburu, Buffalo Springs und Shaba.
Hier verschenkte ich eine große Menge von Kulis, ohne mir bewusst zu sein, daß es wohl kaum Schreibpapier gab.


Spät am Abend erreichten wir unser Ziel, die Shaba Sopa Lodge, und waren uns sehr bewußt, daß diese Tour uns einen Einblick in das ursprüngliche pure Afrika verschafft hatte.
So, wie ich es verfolgen konnte, hatte die TUI diese Etappe ab dem nächsten Jahr wieder aus dem Angebot gestrichen.
 
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