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Beschreibung einer Safari
durch Tansania

 

(Lake-Manyara, Serengeti, Ngorongoro, Tarangire, Arusha-Nationalpark)

Landung in Mombasa
Bisher schon vier ´mal in Kenia gewesen, sollte es diesmal (1995) im August nach Tansania gehen!
Die Vorbereitungen sind doch dieselben, oder? Nun, Tansania verlangte schon immer ein Visum, auch Gelbfieber- und Cholaraimpfung ist angesagt, und zwar sollte ich damit recht früh anfangen. Die Buchung der Reise, Safari zum Manyara, Serengeti, Ngorongoro und Tarangire habe ich dann schon im April erledigt, für den August! Aber für mich ist die Vorfreude und die Vorbereitung immer schon ein wichtiger Teil des Unternehmens gewesen. Also, Bücher über Tansania gekauft und die Checkliste für die Ausrüstung am Computer modifiziert.
Es folgten die Vorbereitungen und die Vorfreude...
Endlich kommt die heiße Phase, es ist schon August, und am 8. geht’s los. Diesmal von Hannover (19:00 Uhr) über Berlin, und dann die Landung in Mombasa um 5:20 Ortszeit.
Beim Verlassen des Flugzeugs spüre ich wieder die feuchte Luft und den dadurch verstärkten Duft der Blumen, die überall auf dem Weg in den kleinen Rabatten eingepflanzt sind. Wir müssen zur Abfertigungshalle laufen.
Schlangestehen bei der Passkontrolle und Warten auf die Koffer am Transportband, dann durch die Zollabfertigung und schon sehe ich das Schild der Reisegesellschaft. Der Bus, der uns zum Strandhotel bringen soll, steht auch schon bereit, natürlich in der bereits aufgegangenen prallen Sonne. Wie war doch noch die Nummer meines Busses, die mir die Reiseleiterin mitgeteilt hatte??
Wer wird wohl mit mir zusammen die Tansaniasafari machen? Natürlich werden wir an der gesamten Südküste (Diani Beach) verteilt, ich steige als einziger im Diani Resort aus.
Die Begrüßung ist sehr herzlich, der Begrüßungscoctail erfrischend und lecker wie früher. Am späten Nachmittag gibt es des Reiseleiters obligatorische Informationsstunde. Wer schon ´mal Daktari im Fernsehen gesehen hatte, schien Vorteile zu haben....
Gleich am nächsten Tag nehme ich an einer Stadtrundfahrt in Mombasa teil. Fort Jesus und die Altstadt sollte jeder gesehen haben!

 
 
Die Kaffeekanne vor dem Fort Jesus
 
 

Es ist so heiß, daß ich mir in einem Bekleidungsgeschäft ein T-Shirt kaufte (vorne: Pole Pole, hinten: There is no place like Kenya) und es noch auf der Straße gegen mein völlig nassgeschwitztes austauschte. Ich hätte mir in diesem Laden noch fünf Stück mehr kaufen sollen! Solch schöne T-Shirts gibt´s in Deutschland überhaupt nicht!!
Der Besuch im Nature Trail von René Haller , dem Schöpfer des „Paradieses aus Menschenhand“ rundet den Tag ab.


 
 

Der Beginn der Safari
Zwei Tage später ging es dann los. Ich wurde früh von einem Bus abgeholt, der unterwegs an diversen Küstenhotels noch andere Safarigäste einsammelte und uns dann schließlich alle zum Flughafen nach Mombasa brachte. Wer von diesen Leuten würde denn mit mir auf diese Safari gehen? Alle? Nein, das kann nicht sein!

Am Flughafen lief alles perfekt. Schnell fanden sich die Gruppen zusammen, die Safaris zusammen unternehmen würden. Natürlich dauerte es noch bis zum Start, und so beschnupperten wir uns etwas. Abflug um 8:40 Uhr, Flugnummer MBA 9966, 2-motoriges Sportflugzeug mit ca. 18 Sitzplätzen.
Von meinem Platz kann ich jeden Handgriff des Piloten, einem Schwarzafrikaner, beobachten. Zuerst läuft der linke Motor, dann der rechte mit ziemlichem Getöse hoch
,

die Tansaniasafari beginnt!


und schon rollt die Maschine vorbei an den Hangars und an anderen parkenden Flugzeugen zur Startbahn, dann nach kurzem Stopp - der Pilot holt sich die Starterlaubnis ein - der rasante Start.
Schnell sind wir über den Flussarmen und Mangrovenwäldern Mombasas, dann Richtung Westen auf den Mt. Kilimanjaro zu. Die Motoren machen reichlich Lärm, doch in meiner Begeisterung habe ich mich nicht stören lassen. Die Videocamera war im Einsatz, riesige Wolkentürme jedoch gaben einen Blick auf den Kili nicht frei.
Die Sicht auf die Ebenen Tansanias war gut, immer wieder Dörfer, viele Äcker und Felder und ab und zu ein paar Bäume oder kleine Wäldchen. Immerhin haben wir kurz vor der Landung einen prächtigen Blick auf den Mt. Meru erhaschen können. Wir schlagen einen großen Bogen um den Flughafen bei Arusha, können neben einer großen Halle einen Jumbo (diesmal ein Flugzeug aus Frankreich) ausmachen und landen sicher auf dem Kilimanjaro International Airport.
Das Zollpersonal macht keine Kontrollen, will nur die Ein- und Ausreisekärtchen und den Pass sehen. So bleibt noch Zeit, eine Zigarette zu rauchen oder etwas Geld zu tauschen und die Gegend zu betrachten. Der Himmel ist bewölkt, die Temperaturen angenehm.
Unsere Safari-Fahrer warten schon: Asmani, Justin und Jonathan (Chef) von der Gesellschaft der „Ranger Safaris LTD".
Wir, das sind ein Ehepaar mit drei jugendlichen Kindern, ein Ehepaar mit Kind und eine junge schwarzhaarige Frau aus Polen, zwei frisch verheiratete Pärchen auf Hochzeitsreise, eine ungefähr 75jährige unglaublich agile Globetrotterin und ich. So können wir uns gut auf die drei Safaribusse verteilen.
Die erste Etappe ist nur kurz. Es geht vom Flugplatz zum Hotel Mountain Village, einer sehr gemütlichen und luxuriösen Lodge an dem kleinen Lake Duluti. Mittagessen, Geldumtausch (Devisenvergleiche lohnen sich!) und Ausruhen ist erst einmal hier angesagt. Beim Mittagessen ist mir klar geworden, warum das Rindfleisch in diesen heißen Gegenden immer so zäh ist. Wegen der fehlenden Kühlmöglichkeiten kann das Fleisch nicht lange genug abgehangen werden und muss so schnell wie möglich zubereitet werden.
Nachmittags geht es dann schon weiter in Richtung Arusha, dann auf guten Teerstraßen zum Lake Manyara. Die Temperaturen sind sehr angenehm, die Fahrt bis Makuyuni zumindest auch. Hier, 90 km hinter Arusha, biegen wir rechts ab auf eine 39 km lange Wellblechstraße, eine Allwetterstraße, die uns holpernd nach MtoWaMbu führt.

Lagerhaus in Mto Wa Mbu


MtoWaMbu heißt Moskito-Hafen und liegt in unmittelbarer Nähe nordwestlich des Lake Manyara direkt am Rande des Grabenbruchs des Rift Valley.
Hier sehen wir die ersten wilden Tiere! Blue Monkeys (Diademmeerkatzen), sagt Asmani, unser Fahrer, und Geier sitzen auf den Bäumen. Diese Marktstadt ist wohl der Ort in Afrika, in dem die meisten verschiedenen afrikanischen Sprachen gesprochen werden.
Wir müssen den steilen Hang hinauf, vielleicht über 250 Höhenmeter auf äußerst schlechter Wegstrecke überwinden. Felsbrocken, vom Regen aus dem Hang gewaschen und talwärts gerollt, liegen überall und machen den Straßenbauern nach jeder Regenzeit Mühe, die Wege von diesem Geröll wieder freizubekommen. Es ist schwer vorstellbar, daß über diese Piste sämtliche Fahrzeuge fahren müssen, die von Arusha aus die Dörfer und Lodges um den Ngorongoro-Krater und in der Serengeti versorgen bzw. besuchen. Wir passieren einen markanten Affenbrotbaum und halten ganz oben am Grabenbruch, um die herrliche Aussicht über die weite Ebene und den Lake Manyara zu genießen.


Die erste Übernachtung
Die Lake-Manyara-Lodge ist erste Übernachtungsstation. Schnell wird - nach einem köstlichen Begrüßungstrunk - das Zimmer aufgesucht, das Gepäck verstaut, und schon geht´s zum Abendessen. Ein bisschen wird später noch im Kaminzimmer geplaudert, manche schauen im Fernseher noch den Videofilm "Die lustige Welt der Tiere", dann ist Nachtruhe.
Mückenstiche! Mindestens 5x hat ein Viech mich in der Nacht heimgesucht, trotz Moskitonetz. Nun sind nicht alle Mücken auch Malariaüberträger, auch meine Prophylaxe hat wohl gewirkt.
Der Tag beginnt mit einem schnellen kräftigen Frühstück. Es gibt knusprig gebratenen Schinken, Toast, Kaffee, Obst und verschiedene Säfte und noch viel mehr, alles reichhaltig und lecker.
Noch vor der Abfahrt eile ich schnell am Swimmingpool vorbei zu einem Aussichtshäuschen, um den Sonnenaufgang und den Lake-Manyara zu sehen. Der Himmel ist bewölkt, aber die Fernsicht ist einzigartig. Mit dem Fernglas lassen sich unten am See Büffelherden ausmachen.
Die Anderen verpacken schon ihr Gepäck in die drei Safaribusse, aber alles geht
pole-pole. Nur keine Hektik, daran haben wir uns schnell gewöhnt.
Wir fahren zurück, wieder an dem Baobab vorbei hinunter nach MtoWaMbu zum Gate des Manyara NP. Kaum ein paar Meter gefahren umgibt uns tropischer Urwald. Riesige Mahagonibäume, dichter Bewuchs und ab und zu ein Bach mit sauberem klaren Wasser, der den steilen Abhang herunterfließt und unseren Weg kreuzt, nehmen uns gefangen. Auf einer Lichtung halten wir bei einer Herde Paviane an. Die Kleinsten reiten auf den Rücken ihrer Mütter, der Pascha sitzt auf einem großen Felsen und hat den Überblick.

Pavianliebe


Uns vergeht das Gefühl für die Zeit. Weiter durch den Wald, schließlich unten in der mit Akazienbüschen und einzelnen Palmen, Schirmakazien und Leberwurstbäumen bewachsenen Savanne angekommen freuen wir uns über die ersten Impalas, Zebras und Gnus.
Am Hippo-Pool dürfen wir aussteigen. Er ist voller Flusspferde. Weiter in Richtung des Lake Manyara rasten Reiher, Nilgänse und vor allem hunderte von Pelikanen. Weit oben direkt an der Kante des Grabenbruchs ist unser Hotel zu sehen.
Der Lake stinkt! Wir fahren näher heran und treffen auf Flamingos. Alle Fenster sind geschlossen....
Jenseits eines Baches liegt ein großer Kadaver. Die breiten Rippen leuchten in der Sonne, es kann nur ein Büffel gewesen sein. Nicht weit davon, halb versteckt unter Büschen, drei oder vier Löwen. „Haben die das Teil gefressen?“
Wir schlagen einen Bogen über die Grassavanne, sehen Hyänen, Schakale, Zebras und Gnus und erreichen wieder den Wald. Angestrengt starren wir in die Bäume. Hier gibt es doch die berühmten Baumlöwen! Na ja, eine Masai-Giraffe bietet auch ein gutes Fotomotiv.

Die Wege im Manyara-NP sind ausgezeichnet gewesen, und so erreichen wir schnell wieder MtoWaMbu, die Ausgangsstation, um den Hang in Richtung Serengeti wieder emporzuklettern.
Die schlammige fast nur aus Schlaglöchern bestehende Naturstraße beschäftigt unseren Fahrer Asmani stark. Er ist so sauer, daß er den am Rande stehenden Kindern und Jugendlichen zuruft, sie sollten doch die Löcher endlich mit Steinen auffüllen. Stattdessen warten die darauf, daß sich ein Auto festfährt, um es dann in Erwartung eines Trinkgeldes wieder herauszuschieben. Na, doof sind die also auch nicht gerade.

Zur Serengeti
Endlich bessert sich die Fahrbahn. Rechter Hand eröffnet sich ein großes Tal,
die Mbulu-Ebene, und wir können Farmen inmitten von Getreidefeldern ausmachen. Traktoren, LKW´s und einige Pkw´s benutzen die Straße mit uns, in einem Dorf fällt eine kleine Ziegelei ins Auge, dann biegen wir rechts ab bis hinauf zum Ngorongoro Krater. Das ganze Bergmassiv ist von dunklen Wolken umhüllt. Wir erreichen eine dicht bewaldete Vegetation und schließlich das Lodware Gate, dem Eingang zum Ngorongoro Park.
Hier machen wir eine kurze Pause. „We´
ll better buy You another t-shirt“ sagte Jonathan der Reiseleiter lachend zu mir. Ich trug peinlicherweise wieder dieses T-Shirt aus Kenia und hatte vergessen, daß wir ja jetzt in Tansania sind. ("There is no place like Kenya").
Schon geht es weiter rauf über den nassen Weg durch den Regenwald zum Kraterrand! Wir halten am Gedenkstein der Grzimecks, und es verschlägt uns allen der Atem, als wir in den Krater sehen! Bachläufe, Seen, ein Wald in 600 Metern Tiefe und natürlich der steile Abhang selbst. Der Eindruck ist überwältigend! In wenigen Tagen werden wir hier unten den ganzen Tag umherstreifen.
Wir fahren weiter am Kraterrand entlang in Richtung Westen, bis sich linker Hand ein größeres gut übersichtliches Tal auftut. Im Hintergrund wieder Vulkanberge, in der Grassteppe vereinzelte Grantgazellen. Die Fahrbahn ist nach wie vor sehr gut, kaum staubig, und so langsam wird es immer wärmer. Eine Gruppe von Masaigiraffen pflückt Blätter von Akazienbüschen und wir machen ein Picknik im Schatten einiger Bäume.

Bald verlassen wir das NCA (Ngorongoro Conservation Area) und passieren das Tor zum Serengeti Nationalpark.
Nun breitet sich diese „Endlose Ebene“ vor uns aus! Das Gras um diese Zeit (Mitte August) ist längst abgeweidet, kein Tier ist zu sehen, schon gar keine Zebras und Gnus. Die haben sich auf den Weg gemacht nach Kenia in die Massai Mara.
Asmani berichtet, daß zu Spitzenzeiten während und kurz nach den Regenzeiten hier, auch besonders in der Gegend um den Lake Ndutu, die Steppe voller Tiere ist. Kaum vorstellbar, was sich dann bei der Weite dieser Landschaft hier für ein Bild bietet.
Wir erreichen das Naabi Hill Gate, eine Ansammlung von Häusern, einer Service-Station und einem kleinen Museum, angelehnt an einen dieser großen Inselberge, den Koppjes.


Diese Pause ist auch nur kurz, denn der Weg zur Serengeti Sopa Lodge ist noch weit, und wir wollen vor Sonnenuntergang ankommen. Die Sonne steht schon tief am Himmel und beleuchtet mit ihrem warmen Licht die unzähligen Koppjes, die wir passieren. Wir sehen Löwen, Giraffen, einen Geparden oben auf einem Inselberg und verfolgen eine Hyäne.
So ist es doch schon stockdunkel, als wir die vortreffliche Serengeti Sopa Lodge erreichen.
Die Pirsch am nächsten Morgen bietet uns einen ersten Eindruck dieser wunderschönen Landschaft. Akazienbuschsavanne, Wasserstellen mit Hippos, felsige Berghänge und Grassavannen mit riesigen Schirmakazien lassen uns beim gelben Licht der Morgensonne immer wieder anhalten. Manchmal bietet Landschaft so viel mehr Freude als der Anblick eines schlafenden Löwen. Die Hippos spazieren auch noch bei Tageslicht in der Nähe ihres Wasserlochs umher („ziemlich schnell sind die, nicht?“), eine grüne (!) Mamba, ca. 150 cm lang, kriecht am Wegesrand, und einige Impalaböcke begeistern uns mit ihren berühmten Prunksprüngen. So etwas kann man nur mit der Videocamera einfangen!
Wir nehmen unser Mittagessen in der Seronera-Lodge ein, die besten Spaghetti, die ich je gegessen habe, und lassen währenddessen die bisherigen Beobachtungen Revue passieren: Die kleinen Thommies, die an einer Wasserstelle (ein Teil des ausgetrockneten Seronera-Rivers) so idyllisch Wasser tranken, der riesige Büffel, der wie ein überirdisches Wesen durch die Steppe schritt, die Thommyböcke, die ihre Kraft maßen, der Blick auf die Gebäude der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, die hier im Sinne von Professor Grzimek Tierforschung betreiben, Hyänen und dann die imposante Kulisse der an einem riesigen Inselberg angelegten Seronera-Lodge.


 
 
Löwen in der Nähe der Seronera-Lodge

 
 

Zufrieden nach gutem Essen setzen wir unsere Safari fort. Jeder kann sich jetzt denken, daß diese Tour uns alles - bis auf einen Leoparden - geboten hat!
Nach einer weiteren Übernachtung in der Sopa-Lodge, einer Frühpirsch ab 6:00 Uhr bei herrlichstem Sonnenaufgang geht es zurück zum Ngorongorokrater. Unterwegs wieder an den Koppjes vorbei, können wir Löffelhunde beobachten,

Löffelhunde

verlassen dann die Serengeti, besuchen unterwegs ein Masaidorf und dann die Wiege der Menschheit, die Olduvai-Schlucht.
Wir genießen einen imposanten Überblick über den Teil eines 40 km langen Grabens , in dem seinerzeit in den 30ger Jahren der legendäre Professor Louis Leakey seine Ausgrabungen begann. 1959 fanden er und seine Frau Mary L. hier Knochen von einem Menschen, den sie homo habilis nannten. Ein Museum bietet einen ausführlichen Überblick über die in diesem Canyon entdeckten Fossilien. Ein sehr lohnendes Ziel für alle, die nach der Wiege der Menschheit Ausschau halten wollen


Der Krater, 8. Weltwunder
Der Weg zum Kraterrand ist nur noch kurz. Wir stoppen an einer Stelle, die uns einen weiten Überblick über den Krater bietet, sehen den Lake Magadi mit seinem weißen Nebel, die Grassteppen und den Lerai-Forest im Ngorongorokrater! Nur weiter jetzt, es ist schon spät und wir müssen noch sehr viel mehr als den halben Krater umrunden, um zu unserer Lodge zu kommen.
Die luxuriöse Ngorongoro-Sopa-Lodge liegt direkt am Kraterrand. Von hier hat man von der Unterkunft aus durch ein Terrassenfenster einen Ausblick in den Krater hinein, und ich nutze diese Gelegenheit für ein Foto und eine besinnliche Weile, um den Sonnenuntergang über diesem weltberühmten Naturdenkmal zu erleben.

Diese Luxusbehausung verfügt über einen großzügigen Vorraum, ein großes Schlafzimmer und ein Badezimmer, das mich sofort in die Badewanne springen lässt! Herrlich!
An das Abendessen, dann gemeinsame Runde am Kamin mit köstlich schmeckendem kühlen Bier und angenehmer Unterhaltung bis spät in die Nacht erinnere ich mich gern.
Es geht früh los. Jonahtan, der Leiter unserer Ranger-Safari-Gruppe, teilt die Fahrzeugbesatzungen ein. Wir werden nämlich nicht mit den Safaribussen, sondern mit geländegängigen Landrovern in den Krater fahren, während unsere Fahrer sich um die Safaribusse kümmern.
Es gibt noch einige Minuten Verzögerung, bis die Fahrt losgeht. Die Afrikaner prüfen den Reifendruck und den Ölstand wohl immer erst zum Zeitpunkt der Abfahrt.

Hinunter geht’s endlich auf einer gepflegten Piste zwischen trockenen Akazienbüschen und Wäldern hindurch, bis wir nach ca. 30 Minuten zum ersten Mal auf halber Höhe einen gigantischen Blick auf den gegenüberliegenden Kraterrand haben.
Jetzt geht es los, jetzt beginnt das Abenteuer Ngorongoro!


Im Ngorongorokrater
Mein erste Eindruck mitten in dieser Caldera ist der, daß ich mich sehr leicht orientieren kann. Die Kraterränder, über die dichte Wolken quellen, begrenzen diese kleine große Welt. Da ist der Lerai-Wald, da der Dunst vom Lake Magadi, und unser NGO-Fahrer Peter erzählt, daß wir gerade am Munge-River vorbeifahren. Nun, etwas übertrieben, dieser River ist nicht breiter als einen Meter!
Wir sehen Strauße, zwei der Mähnenlöwen, die hier besonders groß sind, fahren auf einen windigen Hügel, in dessen Nähe vor dem ersten Weltkrieg die Gebrüder Siedentopf für kurze Zeit eine Farm betrieben hatten, sehen riesige Zebra- und Gnuherden und rasten eine Weile am Lake Magadi. Dieser Dunst, der vom See aufsteigt, legt sich hier als Alkalistaub nieder und hellt meine dunkelblaue Hose nachhaltig auf, ätzt einfach die Farbe weg....

Hippopool, Grassavanne, Mittagspicknick mit schwarzen Milanen, Löwenbegegnung, Schabrakenschakale, nur keine Elefanten. Dann der Lerai-Forest!
Aus der Ferne jenseits der Grassavanne zunächst ein vor Hitze flimmernder dunkelgrüner Streifen, wird er immer deutlicher zu einem Akazienwald. Eine solch schöne Waldlandschaft habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen! Am Rande an einer Wasserstelle tummeln sich Marabus und Löffler, etwas weiter unter den Fiberakazien grasen Zebras, Büffel und Gnus, turnen Meerkatzen auf den Bäumen herum und versetzen uns in ehrfurchtvolle Andacht. Das ist das Paradies!
Wir durchqueren den Wald, fahren an einer Kulisse vorbei, die mit ihren Akazienbäumen, Büschen und Palmen mit den vielen Tieren darin unsere Herzen höher schlagen lässt. Manchmal wird uns durch die Bäume hindurch ein Blick auf den Kraterrand gewährt, und endlich sehen wir auch auf einer Lichung einen Elefantenbullen. Einen Adler trocknet seine Flügel im Wind, eine große Schaar Perlhühner bereichert das Bild wie mit blauen Farbtupfern.

Wir nehmen den Geruch wahr, der für uns Afrika ist, mit den umgestürzten Bäumen, den Lichtungen und immer wieder den grasenden Tieren. Ein wehmütiger Blick noch zurück, dann biegen wir wieder ab und verlassen den unserer Ansicht nach schönsten Flecken des Kraters.
Eine Herde unseren Weg kreuzender Büffel, es mögen wohl 500 gewesen sein, gewährt uns noch ein paar kostbare Minuten mehr in diesem Paradies, auch zwei Spitzmaulnashörner und die Schakale lassen uns noch etwas verweilen, dann beginnt wieder der Aufstieg zur Lodge, der uns jetzt wesentlich länger vorkommt.
Unser Fahrer Peter, der den Landrover zuverlässig gelenkt hatte, ist verheiratet und hat zwei Kinder. So sind als Trinkgeld 20 US$ für die beiden Kinder bestimmt, fünf für seine Frau und einer für ihn. Peter bedankt sich herzlich, lacht und beweist, daß er versteht und Humor hat.

Am nächsten Morgen regnet es stark. Ich stelle fest, daß mich ein Sonnenbrand gerade auf der Nase erwischt hat! Wozu hatte ich eigentlich diese teure Sonnencreme dabei? Nach einem frühen Frühstück starten wir, und ich sitze wieder in dem Bus mit den beiden frisch verheirateten Pärchen.
Auf der Fahrt durch den Regenwald zurück auf dem Kraterrand und dann den Berg hinunter wissen wir, warum wir im Krater keine Elefanten gesehen hatten: Auf einer Strecke von über 2 Kilometern mindestens sehen wir auf der Piste ihre Hinterlassenschaften! Es müssen sehr sehr viele gewesen sein!
Was begeistert einen noch nach einem solchen Tag? Der Junge am Straßenrand, der maskiert mit einer Melonenmaske auf einem selbst gebauten Saiteninstrument ein ergreifendes afrikanisches Lied vorträgt, der Schlammweg vor MtoWaMbu oder die Reifenpanne auf der Wellblechpiste?



Zum Tarangire-Nationalpark
Wir biegen jetzt bei Makuyuni rechts ab, also nicht in Richtung Arusha, sondern in Richtung Dodoma zum Tarangire Nationalpark.
An der Abzweigung wird getankt, per pumpender Hebelkraft mit Handarbeit selbstverständlich, und wir können uns wieder unsere Beine vertreten. Die Asphaltstraße ist reine Erholung. Sie wurde schon früh angelegt, bevor das südlicher gelegene Dodoma Hauptstadt Tansanias wurde.
Zeit zum Dösen, bis zur Abzweigung Kwa Kuchinja jedenfalls. Links ab und noch ein paar Kilometer, und wie stehen schon vor dem Tarangire Gate.

Ein riesiges Tor aus Eisen, geschmückt mit Büffel- und Elefantenschädeln, links davon das Gebäude der Ranger, in dem sich unsere Fahrer ihre verdiente Pause gönnen und wir draußen, froh über die frische Luft und die Möglichkeit, eine Zgarette (Sportsman) zu rauchen.
Dreißig Meter in den Park hinein, und wir begegnen einer größeren Elefantenherde. Grasende Kühe, sich raufende Junggesellen und freche Halbstarke, die sich kurz mit wedelnden Ohren und lautem Gepruste unserem Wagen entgegenstellen: „Achtung! Wir sind hier! Kommt uns nicht zu nahe!“
Die Landschaft ist anders als die der Serengeti. Baobabs rechts und links bestimmen das Bild. Wieder ein Halt. Zwei Busse stehen schon und wir bremsen natürlich auch. Ein englisch sprechender Mann ist gerade dabei, mit Hilfe eines Stockes und mit geübtem Griff eine ca. 70 cm lange Puffotter hinter dem Kopf zu greifen.

eine Puffotter mitten auf der Piste


„Highly poisioness“ sagt Asmani. Ich filme die Szene neben ihm auf dem Beifahrersitz. Er gestattet mir, auszusteigen, und ich mache die gefährlichsten Aufnahmen meines Lebens, drei Meter von dieser Schlange weit weg, die jetzt wieder zusammengerollt auf der sandigen Fahrbahn liegt. Später sagte mir ein Kenner, die Tiere seien gar nicht so schnell, und ich hätte immer flüchten können. Tröstlich, wenn man es weiß. Ein Biss dieser Schlange hätte in dieser Situation jedenfalls meine Safari beendet.
Über Brücken, an weiteren Baobabs und Elefanten vorbei, die hier wohl nicht ganz so tolerant gegenüber den Safaribussen sind wie z.B. in Kenia, erreichten wir schließlich unser Ziel, die Tarangire Sopa Lodge.

Rechts wie links doppelstöckige Bungalows, in der Mitte die Eingangshalle, überdacht von einem riesigen hölzernen Elefantenrüssel, versetzen uns in Erstaunen. Der Empfang in der Halle, wie immer hier in Ostafrika, ist überaus herzlich. Als Begrüßungstrunk gibt es wieder einen Coctail aus einheimischen Früchten und schnell stehen für alle von uns Stewards bereit, um unser Gepäck auf die Zimmer zu tragen.
Im Tarangire bedroht die Tsetsefliege den Menschen, deswegen waren für die Spätpirsch Vorsichtsmaßnahmen angesagt! Lange Hosen, langärmlige Hemden, reichlich Insektenmittel usw. Die Fliegen stechen nicht, sondern verursachen mit ihrer Attacke regelrecht kleine blutende schmerzhafte Schnittwunden. Wohl dem, der gut vorgesorgt hatte! Hier hatte es den, der auch sonst immer alles besser wußte, mit seiner kurzen Hose erwischt...
Giraffen und Zebras unter Baobabs, wahrlich ein neues Motiv! Die Landschaft ist viel hügeliger als die in der Serengeti und bot uns auch dadurch interessante Abwechslung.
Mehr als hundert Elefanten an einem Flußlauf, Spießböcke - sogar fransenohrige - , natürlich auch Zebras und Gnus, und Löwen natürlich. Zuerst sahen wir zwei schlafende ältere Paschas, dann, nach ein paar hundert Metern das, was wir im Lake Manyara NP gesucht hatten: die berühmten Baumlöwen! Zwei Löwinnen kauerten hoch auf einem Baum und beobachteten die Umgebung.

Baumlöwe im Tarangire NP


Es war jetzt schon reichlich spät und kühl geworden, sodaß ich nicht davon ausgehe, daß der Grund ihres Verhaltens darin liegt, nur den Mücken und der Hitze am Boden zu entgehen.
Gegen die untergehende Sonne machten wir uns auf den Weg zurück zur Lodge. Sandhühner hatten sich im noch warmen Sand der Piste niedergelegt und fliegen verschreckt auf, als wir näher kommen.
Viel zu früh müssen wir diesen wunderschönen Park am nächsten Morgen wieder verlassen. Wir beobachten eine riesige Eule auf einem Baobab, sehen diesen durchbohrten in allen Reiseführern abgebildeten Baobab, freuen uns über Klippschliefer am Wegesrand, einer Löwin und drei Elefantenbullen mit gewaltigen Stoßzähnen und verlassen schließlich den Park.


Auf der Teerstraße in Richtung Arusha lassen wir uns das Radiogedudel afrikanischer Schlager gern gefallen und drömmeln die Stunden dahin, bis uns das Bremsen und ein Stoß von unten aus den Träumen reißt! „Sleeping Policeman“ sagt unser Asmani lachend und gibt wieder Gas. Er meint die Bodenwellen auf der Straße vor und in den Ortschaften, die die Autofahrer zwingen, das Tempo zu drosseln!
Der Weg ins Zentrum ist noch lang. Kein Asphalt mehr, sondern fast wieder Schlaglochpiste. Vorbei an Holzhütten, einer Moschee, Schutthalden und primitiven Wellblechbaracken erreichen wir die Stadtmitte, der Straßenbelag wird zunehmend besser.
Wir sind in Arusha, fahren um den berühmten Uhrenturm herum.
                                           "At the Centre between Cape to Cairo"
und sind wirklich mitten in Afrika!

Der Uhrenturm im Zentrum von Arusha


Wir machen kurzen Halt, weil einer der Mitfahrer noch Geld tauschen will, und ich kaufe derweil an der Straße eine wirklich schöne Batik mit einem Elefantenmotiv. Vielleicht gerade da an der Stelle, wo John Wayne damals mit seinem Jeep mit dem Elefanten hinten drauf vorbeifuhr und laut „Hatari“ brüllte.
Östlich von Arusha durchqueren wir eine Straße mit überaus gepflegten Villen, die wohl noch aus der guten alten Zeit stammen.
Die Straße zurück zur Mountain Village Lodge bewältigen wir im Handumdrehen.


Mountain Village
Angekommen in der mit Blumenbeeten geschmückten Mountain Village Lodge, in der wir vor einer Woche unsere Safari mit einem Mittagessen begannen, freuen wir uns auf unser letztes Quartier hier in Tansania. Kleine runde anmutig gebaute Häuschen wie in einem Runddorf zwischen Mangobäumen und blühenden Sträuchern angeordnet stehen für uns bereit, absolut gemütlich und für ein- bis zwei Personen gedacht
.

Viel zu schön, um nur eine Nacht darin zu verbringen! Obwohl etwas verspätet, gibt es für uns noch ein passables Mittagessen, und bis zur letzten Safari haben wir noch ein bisschen Zeit, die jeder von uns auf seine Weise zu nutzen weiß.

Arusha Nationalpark
Um 14:30 Uhr geht es los zum Arusha Nationalpark. Etwas Teerstraße, dann links ab in Richtung Norden zum Mt. Meru. Der Arusha-NP liegt östlich des Meru und wird vornehmlich von tropischem Bergwald beherrscht.
Zunächst geht die Fahrt an Maisfeldern und Obstplantagen vorbei, durch Dörfer und kleine Wäldchen hindurch, bis wir, immer höher, dichteren Wald durchquerend schließlich vor dem Gate des Nationalparks Halt machen. Wir spüren, daß uns jetzt der echte Urwald erwartet! Wir fahren immer höher, können ab und zu noch einen Blick erhaschen auf die weite Ebene Tansanias, tauchen dann tiefer und tiefer in den Wald hinein.

Die Wege sind zwar eben, ohne Schlaglöcher, aber auch feucht. Riesige Urwaldbäume mit Flechten behangen (von den Einheimischen old man´s beard genannt) versetzen uns in eine neue Welt. Die Rufe der Waldbewohner dringen in unser Ohr, mehr als einmal halten wir an, um den Colobusaffen oder einen Hornbill (Nashornvogel) zu beobachten.
Am Ziel der ersten Etappe ist ein Aussichtspunkt (Buffalo Point), der uns alle angenehm überrascht. Wir stehen am Rande eines Vulkankraters mit einer Caldera, die zwar viel kleiner, aber nicht minder schön, mit der des Ngorongoro vergleichbar ist, dem Ngurdoto-Krater!

Ngurdoto-Krater


Eine fantastische Aussicht über dieses kleine Paradies, in dem Büffel und Elefanten friedlich grasen. Alles ist hier grün und fruchtbar, als ob es hier niemals eine Trockenzeit gäbe.
Dieser Krater darf von Menschen nicht betreten werden und ist so ausschließlich den Tieren vorbehalten.

Ngurdoto-Krater


Wir wenden auf dem schmalen Weg und fahren zu den Momella-Seen, bewundern Kronenducker, Diademmeerkatzen (Blue Monkeys), Hippos, Wasserböcke, Warzenschweine und viele Vögel in dieser wasserreichen Landschaft.
Wir fahren an der Momella-Lodge vorbei, die viele von uns mit dem Filmklassiker Hatari verbindet.
Immerhin sind einige Räume hier immer noch in dem selben Zustand wie damals im Film.
Auf dem Weg zurück versperrt uns noch eine riesige Giraffe den Weg. Was soll´s! Morgen geht’s wieder ab nach Mombasa.

Am "Strand" zurück
Der Rückflug verlief verständlicherweise nicht ganz so aufregend. Kurz vor der Landung in Mombasa setzte jedoch sehr starker Regen ein. Nach der Landung auf dem Flughafen Mombasas wurden wir alle erfreulicherweise von Bediensteten des Airports mit riesigen Regenschirmen vom Flugzeug abgeholt und in die Halle geleitet.
Regenschauer im August in Kenia ist eher selten, aber am Abend war wieder alles ok und wir konnten noch ein paar schöne Resttage am Strand verbringen.

 
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