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Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück,
das wir zusammen mit Fatma, der Chefin von Discover Kenya Safaris, einnahmen,
und der Erledigung der restlichen Zahlungsformalitäten sowie einem ausgiebigen
Gang durch die wunderschöne Hotelanlage, gegen halb neun auf den Weg
Richtung Mount Kenya.
Dort wollten wir sozusagen auf halber Strecke zum Samburu Nationalpark
einen Zwischenstopp einlegen und übernachten. Wir hatten uns dafür die
Serena Mountain Lodge ausgesucht; wir kannten dieses Baumhotel noch
vom letzten Jahr und waren von der Lage und vom Service ganz angetan.
Unsere Fahrt dorthin führte uns über die noch vom Vortag bekannte Strecke
nach Thika und von dort weiter über Karatina bis kurz vor Nyeri.
Die Gegend um Thika ist bekannt für die vielen ausgedehnten Ananasplantagen.
Auch DelMonte produziert hier (in Deutschland gibt es große Konservendosen
mit Ananasscheiben “produced in Kenya”).
Während wir so fuhren, wies John uns auf einmal auf eine Art Hochsitz
inmitten einer Plantage hin: security; eine reife Ananas ist begehrtes
Diebesgut und lässt sich für ein paar Shilling gut verkaufen. Wir fanden
den uniformierten (und bewaffneten!) Mann in seinem Ausguck einzigartig
und dachten, das wäre doch bestimmt auch ein prima Job in Deutschland
- Berufsbezeichnung im Behördendeutsch: Sicherheitsfachkraft im Obstanbau...
Kurz vor Thika war standen mehrere Safaribusse am Straßenrand - das
sah nach Polizeikontrolle aus. Zum Glück mussten wir nicht anhalten,
aber John stoppte den Wagen trotzdem - der Fahrer eines anderen (leeren)
Safaribusses hatte einen Platten und er wollte ihm helfen.
Nach kurzer Zeit wurde klar, dass es mit der Hilfe vor Ort nicht getan
war, und so nahmen wir einfach den Fahrer und seinen kaputten Reifen
mit bis zur nächsten Tankstelle. In dieser Gegend in der Nähe der Ananasplantagen
gibt es immer wieder Überfälle, erst werden Nägel auf die Straße gelegt,
und wenn der Fahrer nach einem Platten aussteigt um nachzuschauen, was
passiert ist, wird er überfallen.
Das nennt man dann wohl “Klassischer Trick”!
Nachdem wir den Fahrer und seinen Reifen in die Obhut einer kompetent
aussehenden Tankstelle mit Reifenservice übergeben hatten, ging es weiter
zur Serena Mountain Lodge, einer angenehmen Fahrt dank neuer Straßen.
Wir kamen durch den Ort Karatina, über den mein Reiseführer zu berichten
wusste, dass es hier einen der größten Viehmärkte Ostafrikas gibt.
Nun, Markttag war tatsächlich, wir sahen zwar kein Vieh, aber dafür
alles andere. Unzählige Händler hatten ihre Verkaufsware von Kleidung
über Töpfe und Fahrräder bis hin zu allerlei sonstigen Gegenständen
des Alltags direkt an bzw. auf den durch den Ort führenden Eisenbahngleisen
aufgebaut. Nur gut, dass hier nur einmal in der Woche (und nicht gerade
heute!) ein Zug durchfuhr.
Das war mal wieder Afrika pur, ein Menschengewimmel ohne Ende; schade,
dass wir kein Foto machen konnten - wir hatten keine Zeit zum Anhalten,
und fuhren weiter, auf immer noch guten Straßen.
Nur das allerletzte Stück mussten wir uns über eine Ruckelpiste quälen
samt missverständlich ausgeschilderter Umleitung (das eine Schild “Serena
Mountain Lodge” zeigte geradeaus, das andere nach links... zum Glück
kannte John sich hier aus).
Gegen ein Uhr kamen wir bei der Lodge an. Hier hieß es gleich, leider
sei die Lodge überbucht, aber speziell für uns gäbe es eine besondere
suite, ganz oben, mit living room und TV... Also bezogen wir unsere
“special suite” mit zwei Schlafzimmern, kitchenette, separatem living
room und Fernseher (mit 4! Fernbedienungen). Der kleine Schönheitsfehler
war, dass die Spezialsuite nur ein Mini-Bad hatte, das wir uns nun mit
3 Personen teilen mussten, und im zweiten Schlafzimmer die Betten ein
wenig zu kurz geraten waren...
Nun gut, für eine Nacht sollte es reichen, und immerhin stand im Wohnzimmer
ein riesengroßer Früchtekorb auf dem Couchtisch!
Nachdem wir uns ein bisschen eingerichtet und Mittag gegessen hatten,
machten wir es uns auf dem Balkon hinter der Bar gemütlich und beobachten
Elefanten, Büffel, Buschböcke, Wasserböcke und eine Entenfamilie (ob
es wohl dieselbe war wie im letzten Jahr?).
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Wir waren neugierig und mussten uns unbedingt nach dem Verbleib des
dreibeinigen Wasserbocks vom letzten Jahr erkundigen. Leider hieß es,
er habe sein Schicksal nicht überlebt; da waren wir doch ein bisschen
traurig.
Lange trauern konnten wir allerdings nicht, denn die Affen waren dieses
Jahr ganz offensichtlich noch viel, viel frecher: nicht nur, dass sie
dreist aus unseren Kaffee- und Teetassen tranken - direkt vor unseren
Augen! -, als wir sie wegscheuchten und die Tassen nicht schnell genug
beiseite räumten, kamen sie wieder und schütteten die Tassen aus. Schöne
Bescherung!
Wir konnten uns gerade noch mit einem beherzten Sprung in Sicherheit
bringen, aber die Hälfte der braunen Flüssigkeit war auf meinem Rucksack
gelandet - Mistviecher!
Von da an hielten wir mit Argusaugen nach ihnen Ausschau und verscheuchten
sie lauthals, auch wenn sie noch Meter von uns entfernt waren. Sicher
ist sicher! (Später kamen “neue” Touristen auf den Balkon, die die Affenbande
offensichtlich noch nicht kannten, und einer der Gäste wäre um ein Haar
seine komplette Fotoausrüstung losgeworden)
Am Abend genossen wir das schon bekannte gute Essen der Serena Mountain
Lodge, und gerade als wir uns mit unserem tusker noch einmal auf den
Balkon begeben wollten, hieß es auf einmal von einem der Kellner, wir
sollten bitte wieder Platz nehmen, er wolle uns doch noch Auf Wiedersehen
sagen, müsse aber noch einmal kurz verschwinden. Wir hatten jeder ein
Fragezeichen auf der Stirn, setzten uns aber trotzdem wieder an unseren
Tisch. Nach kurzer Zeit wurde das Licht gedimmt, der “Jambo Bwana”-Song
ertönte, die Kellner und Köche kamen hervor und tanzten durch den Raum.
Oh, da hatte also jemand Geburtstag - dachten wir, und zwar genau so
lange, bis die Kellner und Köche mit der Torte an UNSEREN Tisch kamen.
Eine Torte, für uns?
Die Fragezeichen wurden noch größer, dann kam des Rätsels Auflösung:
weil wir nun schon zum zweiten Mal in der Lodge waren, gab es diese
Torte mit Willkommensgruß (und unseren Namen drauf)! Wir waren sprachlos,
haben uns riesig gefreut und trotz vollem Magen noch ein kleines Stück
gegessen - der Rest wurde schön eingepackt und war am nächsten Morgen
unsere Marschverpflegung.
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