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Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns am nächsten Morgen
zusammen mit John und Peter, unserem Bootsführer, auf die knapp einstündige
Tour im Lake Baringo.
Der Lake Baringo ist neben dem Lake Naivasha der einzige Süßwassersee
im Rift Valley, wobei immer noch ungeklärt ist, warum es sich um einen
Süßwassersee handelt.
Die Sonne schien, es war schon mächtig warm, und das Wasser spritzte
verlockend, als wir mit dem kleinen Motorboot Fahrt aufnahmen - ach,
wie gerne wären wir in den See gesprungen! Aber das war ja leider nicht
möglich: die Hippos konnten wir schon von weitem erkennen (und hören!)
und es dauerte auch nicht lange, da sahen wir ein Krokodil am Ufer ins
Wasser gleiten.
Okay, zum Schwimmen war der Pool eindeutig besser geeignet...
Der See war, wie wir schon an unserem Aussichtspunkt auf der Hinfahrt
festgestellt hatten, wirklich riesengroß. Die sieben Inseln konnten
wir gar nicht alle sehen, aber Ol Kokwe Island, die größte, ragte steil
und unübersehbar vor uns auf. Sie war grün und dicht bewachsen, mit
teilweise riesigen Bäumen, und in dem felsigen Hängen kletterten Ziegen.
Ein einheimischer Fischer vom Stamme der Njemps (trotz der nahen Verwandtschaft
zu den viehhaltenden Maasai leben die Njemps traditionell von Ackerbau
und Fischfang) kam uns in seinem kleinen, nicht sehr stabil wirkenden
Boot aus Palmblättern entgegen und zeigte uns seinen Fang - wir hätten
solch große Fische im See nicht vermutet.
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Mit einem Trick lockte Peter einen auf der Insel im
Baum sitzenden Seeadler an: er warf einen Fisch ins Wasser und ahmte
die Schreie des Adlers nach.
Tatsächlich dauerte es nur ein paar Sekunden, und der Seeadler kam und
fing im Sturzflug den Fisch, mit dem er dann wieder im Baum verschwand.
Dort konnten wir ihn noch für kurze Zeit und von weitem beim Fressen
beobachten, dann fuhren wir mit dem Boot wieder zurück.
In Ufernähe ging es noch eine Weile an Papyruspflanzen vorbei, dann
waren wir auch schon wieder am Bootsanleger. Wir stellten einstimmig
fest, dass auch der Lake Baringo ein landschaftliches Highlight auf
unserer Safari war!
Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit relaxen, und nach
dem Mittagessen musste unbedingt der Pool ausprobiert werden: es war
ganz schön heiß, und eine Erfrischung mehr als willkommen. “Klein, aber
unwiderstehlich” - ja, das stimmte wirklich!
Am Pool ließen sich auch die zahlreichen Vögel - in der Umgebung des
Lake Baringo wurden 450 verschiedene Arten registriert - sehr gut beobachten;
ständig flogen buntschillernde Exemplare hin und her.
Während ich bis zum späten Nachmittag dort blieb, machten Sandra und
Tanja sich in Begleitung von Peter, unserem Bootsführer vom Vormittag,
gegen vier Uhr auf zu einem Spaziergang nach Kampi ya Samaki, dem nächstgelegenen
Ort.
Als sie zwei Stunden später wiederkamen, hatten sie einiges zu erzählen:
von Kindern, die sie den ganzen Weg über voller Begeisterung und Neugierde
begleiteten und sie sogar an den Händen hielten, von den einheimischen
Erwachsenen, die sich so gar nicht für`s Fotografiertwerden erwärmen
konnten, und von “Dr. William”, dem Schlangen”beschwörer”.
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Der hatte ihnen gegen ein paar Shillinge stolz seine bemerkenswerte
Schlangensammlung gezeigt und von seiner Zusammenarbeit mit Dr. Richard
Leakey, dem berühmten Anthropologen und ehemaligen Chef des Kenya Wildlife
Service, erzählt. Den Doktortitel hat sich Dr. William wohl selbst einmal
verliehen; wahrscheinlich war er der Meinung, dass so ein Titel beim
Verkauf von Schlangenserum seriöser wirkt...
Der Abend klang ruhig aus, am nächsten Morgen sollte es weitergehen
zum Lake Bogoria - bis zu unserer nächsten Unterkunft, dem Lake Bogoria
Hotel. Zum Glück nur eine etwa eineinhalbstündige Fahrt.
Allerdings musste John ja noch den kaputten Reifen reparieren lassen
- das wollte er in Marigat versuchen -, daher gingen wir gedanklich
von einer etwas längeren Tour aus. Nach dem gemeinsamen Dinner machten
wir uns in Begleitung eines Askari auf den Weg zu unseren kleinen Bungalow-Häuschen.
Unsere etwas ängstliche Frage “Any animals around here?” beantwortete
er ohne Zögern und ohne sich umzusehen mit “Not now, no” - und kaum
standen wir keine 2 Minuten später vor unseren Türen, sahen und hörten
wir auf dem Rasen deutlich ein Hippo...
Na, wie gut, dass das gerade eben noch nicht da war, und der Askari
so gute Augen hatte...!
Wir schliefen trotzdem tief und fest, und nach dem Frühstück am nächsten
Morgen machten wir uns auf den Weg zum Lake Bogoria.
Wir fuhren auf einer sehr guten Asphaltstraße bis Marigat, einem kleinen
aber belebten Ort, wo wir zum Tanken an einer Tankstelle hielten. Den
kaputten Reifen konnte man hier allerdings nicht reparieren, das klappte
erst beim dritten Versuch bei einem Reifenservice.
Was man sich in Afrika so unter Reifenservice vorstellen muss: ein kleiner
Holzhaus-shop, bei dem die Reifenreparatur natürlich unter freiem Himmel
stattfand. Direkt daneben befand sich der shop eines Schlachters - was
da an Abgezogenem im Schaufenster ging, konnten wir nicht so ganz identifizieren...
Wir nutzten die Pause und machten einen kleinen Bummel durch den Ort.
Nach einiger Zeit war der Reifen fertig und wir fuhren weiter auf der
guten Asphaltstraße unserem nächsten Ziel entgegen, bis John auf einmal
und für uns unvermittelt von der Straße rechts abbog - mitten in den
Busch hinein, wie uns schien. Hier war überhaupt keine Straße mehr,
nicht einmal ein Weg, zu erkennen.
Komisch, von uns hatte keiner etwas von einem Toilettenstop gesagt...
Wir wussten gar nicht, was los war, und hatten schon schlimme Befürchtungen,
bis uns auf diesem “Weg” durch die Sträucher ein Lkw entgegen kam. Sollte
das hier etwa doch eine Straße sein?
Des Rätsels Auflösung folgte kurz darauf, als der “Weg” wieder an eine
Asphaltstraße heranführte - es war die Asphaltstraße, auf der wir eben
noch gefahren waren. Sie tauchte quasi aus dem Nichts auf - das Stück
zwischen “eben” und “hier” war komplett weggespült! Wir trauten kaum
unseren Augen, so unglaublich war der Anblick. Nun war uns auch klar,
warum John abgebogen war.
Das muss man aber auch erst mal wissen, wenn wir da weitergefahren wären...
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