Malindi 04/05

Malindi


 
 

Brrr, ist das kalt hier in Deutschland!

Bereits Ende Oktober waren Sandra und ich vom norddeutschen Schmuddelwetter so genervt, dass wir - gerade erst aus Kenya zurückgekommen - schon wieder Reisepläne schmiedeten...
Aufgrund unserer relativ teuren September-Safari war ein individueller Trip diesmal nicht drin, aber da es uns eh mehr zu sun & beach zog, wälzten wir Reisekataloge der bekannten Veranstalter, in der Hoffnung ein gutes und günstiges beachresort zu finden.
Nach einigem Suchen wurden wir tatsächlich fündig und buchten für Dezember/Januar 2 Wochen im Coconut Village in Malindi.
Hmm, Malindi... darüber hatten wir schon vieles gehört - leider eher Negatives - aber die Zuschläge der Reiseveranstalter für Weihnachten und Silvester waren einfach unverschämt, und das Coconut Village kam dabei noch am günstigsten weg.
Die Kritiken über dieses Hotel waren durchweg positiv und so wollten wir uns einfach überraschen lassen. Leider konnte Tanja nicht mitkommen, und so sollten wir diesmal zu zweit unterwegs sein.
Am 24.12., ja richtig, an Heiligabend, ging es los. Da es schon immer mein Traum war, Weihnachten mal unter Palmen zu verbringen, fand ich an dem Abreisetermin nichts Besonderes. Aber als es dann tatsächlich losging, war es schon irgendwie ein eigenartiges Gefühl.
Während Sandra und ich in Hannover eincheckten, wurde anderswo in fast allen (deutschen) Familien der Weihnachtsbraten vorbereitet. Und als wir in Frankfurt bei McDonalds hungrig köstliche Pommes und Hamburger verdrückten (wir waren immer noch an Heiligabend!), wurden anderswo die Geschenke ausgepackt... während sich der gleiche Stress wie jedes Jahr breit machte...
Da hatten wir es dann doch irgendwie besser, mit der Aussicht auf feinen weißen Sandstrand, säuselnde Palmen und den warmen Indischen Ozean. Und das alles nur noch ein paar Stunden von uns entfernt!
Grund genug, noch schnell mit einem Glas Sekt anzustoßen. Zum Glück gab`s direkt neben McDonalds eine edle Bar, in der wir uns so auf den Urlaub einstimmen konnten.
Aber zuerst mussten wir mal wieder einen knapp 9-stündigen Flug hinter uns bringen. Von Deutschland aus hatten wir noch kurzfristig bei einem Safariunternehmen in Malindi eine Drei-Tages-Tour in den Tsavo East und West gebucht. Volle 14 Tage ohne Wildlife konnten wir uns dann doch nicht so ganz vorstellen, und Sandra hatte einen Besuch der Sheldrick Stockades, der Auswilderungsstation für die in Nairobi auf der Sheldrick Farm aufgepäppelten Elefantenwaisen, im Tsavo East N. P. organisiert.
Dies ließ sich natürlich wunderbar mit einer kleinen Safari verbinden bzw. hätte ohne auch wenig Sinn gemacht.
Ozi, der Chef der Safariagentur, hatte uns per mail einen kostenlosen Transfer vom Airport Mombasa zum Coconut Village Malindi versprochen.
Da wir für die Safari noch nicht einen Shilling bezahlt hatten, waren wir mehr als gespannt, ob uns denn am Flughafen in Mombasa auch tatsächlich ein driver von Academia Safaris empfangen würde...
Weil wir ja nun an Weihnachten durch die Welt flogen, dachten wir, dass sich die Fluggesellschaften für solch einen Tag etwas ganz Spezielles ausgedacht hatten.

In Hannover konnten wir beim Einsteigen die Piloten sehen, und - hatten wir da richtig geguckt? - tatsächlich, sie trugen Weihnachtsmützen und machten irgendwie einen sehr lockeren Eindruck. Sollten die etwa schon den Weihnachtspunsch genossen haben? An Bord gab es dann noch eine kleine Tüte mit zwei Weihnachtskeksen, aber... das war`s. Doch, an ein “Frohe Weihnachten” meine ich mich erinnern zu können.
Hmm. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt, aber wahrscheinlich waren Piloten und Crew der Meinung, wer schon an Weihnachten in die Sonne fliegt, will mit Weihnachten nichts zu tun haben - womit sie ja auch irgendwie Recht hatten. Aber trotzdem, so ganz ohne... Wir schauten etwas sparsam.
Einer der Fluggäste fand das wohl auch nicht so toll und rief auf einmal lauthals “Frohe Weihnachten!” durch den halben Flieger. Leider gab`s kaum Reaktionen der anderen Fluggäste, nur ein paar haben geklatscht. Was natürlich auch daran gelegen haben kann, dass dieser junge Mann seinen eigentlich ganz witzigen Auftritt gleich danach ins Lächerliche überzogen hat, indem er uns allen “eine schöne Reise in die Karibik” wünschte. Oh, oh, da hatte wohl jemand im Erdkunde-Unterricht geschlafen...
Vielleicht wäre er auch lieber an den Ballermann geflogen? Ohnehin sahen einige der Fluggäste so aus, also ob sie eigentlich sonst ganz woanders Urlaub machen würden, und eher aus der Not heraus in diesem Flugzeug nach Kenya gelandet waren.
Dialog unter zwei Mitreisenden direkt vor uns: Frau zu einem Mann: “Ihr Hotel ist in Mombasa?” Er: “Nein, so 30 km davon entfernt.” (nördlich oder südlich??) Sie: “ Ist es am Diani Beach?” Er: “Wo?” Sie: “Am Diani Beach?” Er: “Wo?” Sie: “Wissen Sie, wie der Ort heißt?” Er: “Nein.” und schüttelt den Kopf...
Hilfe! Der weiteren Unterhaltung konnte man dann entnehmen, dass es sich bei besagtem Hotel um das Neptune Paradise handelte. Aha, also doch Südküste, Ukunda Richtung Diani Beach, an der Kreuzung bei der Barclays Bank rechts ab und noch ein paar Kilometer weiter zum Galu Beach...
Vielleicht hätten sie mal in einen Reiseführer gucken oder jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt...

Dass es in diesem Ferienbomber natürlich auch kein irgendwie weihnachtlich angehauchtes Essen gab, sei nur am Rande erwähnt.
Beim Landeanflug auf Mombasa hat sich dann aber immerhin der Kapitän noch an das Tagesdatum erinnert und murmelte etwas von “Schöne Weihnachten” und das wir das doch ein bisschen feiern sollten, sofern das “in einem muslimischen Land wie Kenya überhaupt möglich” sei.
Wie bitte? Kenya, ein muslimisches Land?? Na, die hatten wohl ganz sicher schon am Weihnachtspunsch genippt...
Und als sie dann nach der Landung, vor dem Aussteigen, noch schnell “Feliz Navidad” (ein Weihnachtslied mit spanischem Text!) in die Bord-Stereoanlage einwarfen, waren wir uns sicher, dass da der eine oder andere Drink im Spiel war. Wenigstens haben sie uns noch heil heruntergebracht, und dann wollten wir auch so schnell wie möglich raus, an die Luft, endlich wieder diese tropische Hitze samt Sonne genießen!
Aber diese Luft war uns zunächst nur kurz gegönnt - beim Marsch über die Start- und Landebahnen vom Flugzeug zum Flughafengebäude. Dann hieß es erstmal wieder Anstehen und Einreiseformalitäten erledigen. Alles ging gut, bis wir kurz vor dem Ausgang noch die Zollkontrolle hinter uns bringen mussten. Und oh, die Damen und Herren waren heute gar nicht großzügig, im Gegenteil, die Dame, die zuerst uns mit kritischen Blicken betrachtete, warf anschließend einen Blick auf den großen Karton, in dem Sandra alte Wolldecken für die Elefantenwaisen im Tsavo transportierte, und fragte dann, was das denn wohl wäre.
Sandra erklärte, was sich in dem Karton befand, deutete auf die große Aufschrift “Sheldrick Orphanage Tsavo East” und den Aufkleber des deutschen Partnervereins “Rettet die Elefanten Afrikas”, aber, nichts zu machen, wir sollten eine tax, also Gebühren bezahlen.
Gebühren? Uns wurde gesagt, wir könnten die alten Wolldecken so mitnehmen (in Hannover hatte es beim Einchecken überhaupt keine Probleme damit gegeben). Darauf kam die etwas bissige Antwort “You have to pay, lady, I tell you this now!”
Hmm. Was tun? Bezahlen wollten wir ja nun auf gar keinen Fall, vor allem weil diese ”tax” nach Phantasiegebühren roch und womöglich in die eigene Tasche dieser überaus netten Dame gewandert wäre. Also, noch mal von vorne, alles erklären, Hinweis auf den Kenya Wildlife Service, und dann, als wir zu guter Letzt noch anboten, den Karton aufzumachen, war die Sache mit der Gebühr auf einmal - oh Wunder - erledigt (“Only old things?” - “Yes, very old things!” - “Hm. It is okay.”) und wir durften weitergehen. Tiefes Aufatmen...
So eine Situation bei 32 Grad im Schatten und 70% Luftfeuchtigkeit treibt einem noch mal eine Extraportion Schweiß aus den Poren! Wir haben uns schön schnell aus dem Staube gemacht.
Wir dachten, jetzt fehlt nur noch, dass unser Exklusiv-Fahrer nicht da ist und wir doch mit dem Touristenbus fahren müssen, aber zum Glück stand da Justin, der ein Schild mit dem Logo von Academia Safaris hochhielt, auf dem unsere Vornamen standen. Prima, so konnten wir uns auf der knapp zweistündigen Fahrt nach Malindi ein wenig von dem gerade Erlebten erholen.
Justin verstaute die Koffer im Minibus, und dann gings los, durchs mittlerweile bekannte Mombasa Richtung Norden. Ach, wie schön ist doch die Wiedersehensfreude!
Jetzt wussten wir, was uns in den knapp 3 Monaten seit der letzten Kenyareise gefehlt hatte. Über die Nyali Bridge (Malindi hatte eindeutig den Vorteil, dass man nicht mit der Likoni ferry schippern musste) fuhren wir aus Mombasa raus und durch grünes, palmen- und baobabgesäumtes Küstenland unserem Ziel entgegen. Juchhu, Weihnachten in Kenya! Wir waren da!!