Brrr, ist das kalt hier in Deutschland!
Bereits Ende Oktober waren Sandra und ich vom norddeutschen
Schmuddelwetter so genervt, dass wir - gerade erst aus Kenya zurückgekommen
- schon wieder Reisepläne schmiedeten...
Aufgrund unserer relativ teuren September-Safari war ein individueller
Trip diesmal nicht drin, aber da es uns eh mehr zu sun & beach zog,
wälzten wir Reisekataloge der bekannten Veranstalter, in der Hoffnung
ein gutes und günstiges beachresort zu finden.
Nach einigem Suchen wurden wir tatsächlich fündig und buchten für
Dezember/Januar 2 Wochen im Coconut Village in Malindi.
Hmm, Malindi... darüber hatten wir schon vieles gehört - leider eher
Negatives - aber die Zuschläge der Reiseveranstalter für Weihnachten
und Silvester waren einfach unverschämt, und das Coconut Village kam
dabei noch am günstigsten weg.
Die Kritiken über dieses Hotel waren durchweg positiv und so wollten
wir uns einfach überraschen lassen. Leider konnte Tanja nicht mitkommen,
und so sollten wir diesmal zu zweit unterwegs sein.
Am 24.12., ja richtig, an Heiligabend, ging es los. Da es schon immer
mein Traum war, Weihnachten mal unter Palmen zu verbringen, fand ich
an dem Abreisetermin nichts Besonderes. Aber als es dann tatsächlich
losging, war es schon irgendwie ein eigenartiges Gefühl.
Während Sandra und ich in Hannover eincheckten, wurde anderswo in
fast allen (deutschen) Familien der Weihnachtsbraten vorbereitet.
Und als wir in Frankfurt bei McDonalds hungrig köstliche Pommes und
Hamburger verdrückten (wir waren immer noch an Heiligabend!), wurden
anderswo die Geschenke ausgepackt... während sich der gleiche Stress
wie jedes Jahr breit machte...
Da hatten wir es dann doch irgendwie besser, mit der Aussicht auf
feinen weißen Sandstrand, säuselnde Palmen und den warmen Indischen
Ozean. Und das alles nur noch ein paar Stunden von uns entfernt!
Grund genug, noch schnell mit einem Glas Sekt anzustoßen. Zum Glück
gab`s direkt neben McDonalds eine edle Bar, in der wir uns so auf
den Urlaub einstimmen konnten.
Aber zuerst mussten wir mal wieder einen knapp 9-stündigen Flug hinter
uns bringen. Von Deutschland aus hatten wir noch kurzfristig bei einem
Safariunternehmen in Malindi eine Drei-Tages-Tour in den Tsavo East
und West gebucht. Volle 14 Tage ohne Wildlife konnten wir uns dann
doch nicht so ganz vorstellen, und Sandra hatte einen Besuch der Sheldrick
Stockades, der Auswilderungsstation für die in Nairobi auf der Sheldrick
Farm aufgepäppelten Elefantenwaisen, im Tsavo East N. P. organisiert.
Dies ließ sich natürlich wunderbar mit einer kleinen Safari verbinden
bzw. hätte ohne auch wenig Sinn gemacht.
Ozi, der Chef der Safariagentur, hatte uns per mail einen kostenlosen
Transfer vom Airport Mombasa zum Coconut Village Malindi versprochen.
Da wir für die Safari noch nicht einen Shilling bezahlt hatten, waren
wir mehr als gespannt, ob uns denn am Flughafen in Mombasa auch tatsächlich
ein driver von Academia Safaris empfangen würde...
Weil wir ja nun an Weihnachten durch die Welt flogen, dachten wir,
dass sich die Fluggesellschaften für solch einen Tag etwas ganz Spezielles
ausgedacht hatten.
In Hannover konnten wir beim Einsteigen die Piloten
sehen, und - hatten wir da richtig geguckt? - tatsächlich, sie trugen
Weihnachtsmützen und machten irgendwie einen sehr lockeren Eindruck.
Sollten die etwa schon den Weihnachtspunsch genossen haben? An Bord
gab es dann noch eine kleine Tüte mit zwei Weihnachtskeksen, aber...
das war`s. Doch, an ein “Frohe Weihnachten” meine ich mich erinnern
zu können.
Hmm. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt, aber wahrscheinlich
waren Piloten und Crew der Meinung, wer schon an Weihnachten in die
Sonne fliegt, will mit Weihnachten nichts zu tun haben - womit sie
ja auch irgendwie Recht hatten. Aber trotzdem, so ganz ohne... Wir
schauten etwas sparsam.
Einer der Fluggäste fand das wohl auch nicht so toll und rief auf
einmal lauthals “Frohe Weihnachten!” durch den halben Flieger. Leider
gab`s kaum Reaktionen der anderen Fluggäste, nur ein paar haben geklatscht.
Was natürlich auch daran gelegen haben kann, dass dieser junge Mann
seinen eigentlich ganz witzigen Auftritt gleich danach ins Lächerliche
überzogen hat, indem er uns allen “eine schöne Reise in die Karibik”
wünschte. Oh, oh, da hatte wohl jemand im Erdkunde-Unterricht geschlafen...
Vielleicht wäre er auch lieber an den Ballermann geflogen? Ohnehin
sahen einige der Fluggäste so aus, also ob sie eigentlich sonst ganz
woanders Urlaub machen würden, und eher aus der Not heraus in diesem
Flugzeug nach Kenya gelandet waren.
Dialog unter zwei Mitreisenden direkt vor uns: Frau zu einem Mann:
“Ihr Hotel ist in Mombasa?” Er: “Nein, so 30 km davon entfernt.” (nördlich
oder südlich??) Sie: “ Ist es am Diani Beach?” Er: “Wo?” Sie: “Am
Diani Beach?” Er: “Wo?” Sie: “Wissen Sie, wie der Ort heißt?” Er:
“Nein.” und schüttelt den Kopf...
Hilfe! Der weiteren Unterhaltung konnte man dann entnehmen, dass es
sich bei besagtem Hotel um das Neptune Paradise handelte. Aha, also
doch Südküste, Ukunda Richtung Diani Beach, an der Kreuzung bei der
Barclays Bank rechts ab und noch ein paar Kilometer weiter zum Galu
Beach...
Vielleicht hätten sie mal in einen Reiseführer gucken oder jemanden
fragen sollen, der sich damit auskennt...
Dass es in diesem Ferienbomber natürlich auch kein irgendwie weihnachtlich
angehauchtes Essen gab, sei nur am Rande erwähnt.
Beim Landeanflug auf Mombasa hat sich dann aber immerhin der Kapitän
noch an das Tagesdatum erinnert und murmelte etwas von “Schöne Weihnachten”
und das wir das doch ein bisschen feiern sollten, sofern das “in einem
muslimischen Land wie Kenya überhaupt möglich” sei.
Wie bitte? Kenya, ein muslimisches Land?? Na, die hatten wohl ganz
sicher schon am Weihnachtspunsch genippt...
Und als sie dann nach der Landung, vor dem Aussteigen, noch schnell
“Feliz Navidad” (ein Weihnachtslied mit spanischem Text!) in die Bord-Stereoanlage
einwarfen, waren wir uns sicher, dass da der eine oder andere Drink
im Spiel war. Wenigstens haben sie uns noch heil heruntergebracht,
und dann wollten wir auch so schnell wie möglich raus, an die Luft,
endlich wieder diese tropische Hitze samt Sonne genießen!
Aber diese Luft war uns zunächst nur kurz gegönnt - beim Marsch über
die Start- und Landebahnen vom Flugzeug zum Flughafengebäude. Dann
hieß es erstmal wieder Anstehen und Einreiseformalitäten erledigen.
Alles ging gut, bis wir kurz vor dem Ausgang noch die Zollkontrolle
hinter uns bringen mussten. Und oh, die Damen und Herren waren heute
gar nicht großzügig, im Gegenteil, die Dame, die zuerst uns mit kritischen
Blicken betrachtete, warf anschließend einen Blick auf den großen
Karton, in dem Sandra alte Wolldecken für die Elefantenwaisen im Tsavo
transportierte, und fragte dann, was das denn wohl wäre.
Sandra erklärte, was sich in dem Karton befand, deutete auf die große
Aufschrift “Sheldrick Orphanage Tsavo East” und den Aufkleber des
deutschen Partnervereins “Rettet die Elefanten Afrikas”, aber, nichts
zu machen, wir sollten eine tax, also Gebühren bezahlen.
Gebühren? Uns wurde gesagt, wir könnten die alten Wolldecken so mitnehmen
(in Hannover hatte es beim Einchecken überhaupt keine Probleme damit
gegeben). Darauf kam die etwas bissige Antwort “You have to pay, lady,
I tell you this now!”
Hmm. Was tun? Bezahlen wollten wir ja nun auf gar keinen Fall, vor
allem weil diese ”tax” nach Phantasiegebühren roch und womöglich in
die eigene Tasche dieser überaus netten Dame gewandert wäre. Also,
noch mal von vorne, alles erklären, Hinweis auf den Kenya Wildlife
Service, und dann, als wir zu guter Letzt noch anboten, den Karton
aufzumachen, war die Sache mit der Gebühr auf einmal - oh Wunder -
erledigt (“Only old things?” - “Yes, very old things!” - “Hm. It is
okay.”) und wir durften weitergehen. Tiefes Aufatmen...
So eine Situation bei 32 Grad im Schatten und 70% Luftfeuchtigkeit
treibt einem noch mal eine Extraportion Schweiß aus den Poren! Wir
haben uns schön schnell aus dem Staube gemacht.
Wir dachten, jetzt fehlt nur noch, dass unser Exklusiv-Fahrer nicht
da ist und wir doch mit dem Touristenbus fahren müssen, aber zum Glück
stand da Justin, der ein Schild mit dem Logo von Academia Safaris
hochhielt, auf dem unsere Vornamen standen. Prima, so konnten wir
uns auf der knapp zweistündigen Fahrt nach Malindi ein wenig von dem
gerade Erlebten erholen.
Justin verstaute die Koffer im Minibus, und dann gings los, durchs
mittlerweile bekannte Mombasa Richtung Norden. Ach, wie schön ist
doch die Wiedersehensfreude!
Jetzt wussten wir, was uns in den knapp 3 Monaten seit der letzten
Kenyareise gefehlt hatte. Über die Nyali Bridge (Malindi hatte eindeutig
den Vorteil, dass man nicht mit der Likoni ferry schippern musste)
fuhren wir aus Mombasa raus und durch grünes, palmen- und baobabgesäumtes
Küstenland unserem Ziel entgegen. Juchhu, Weihnachten in Kenya! Wir
waren da!!