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Mombasa

 

In der Altstadt von Mombasa hat man Gelegenheit,
der lebendigen Kultur auf Schritt und Tritt zu begegnen

Rund eine million Touristen aus aller Welt kommen jährlich nach Kenia, um die sagenhaften Wildparks zu besuchen und an den kilometerlangen palmengesäumten Stränden Badeferien zu verbringen. Die meisten wissen gar nicht, dass es in diesem Küstenstreifen noch viele andere interessante Tourismusattraktionen gibt - verschiedene historische Monumente und archäologische Stätten, die eine Abwechslung vom Strandleben bieten.

Am bekanntesten ist das Fort Jesus, die älteste von einer europäischen Macht in Afrika gebaute Festung.
Hoch über dem Alten Dhau-Hafen wurde das Fort von den Portugiesen zwischen 1593 und 1596 nach militärischen Verteidungungsregeln in einer rechteckigen Form erbaut. Der Grundriss der Festung sieht aus wie eine Kröte.
Entworfen wurde sie von dem italienischen Architekten und Ingenieur Joao Batista Cairato, dem führenden Architekten der Portugiesen in Indien, erbaut vom letzten Kommandanten von Malindi und ersten von Mombasa, Mateus Mendes de Vasconcelos.
Die hervorstechendsten Merkmale der Anlage sind die einspringenden Winkel der zwei landseitigen Bastionen, in denen Geschütze aufgestellt waren, um das Vorfeld der gegenüberliegenden Bastionen zu überstreichen. Das Haupttor befand sich an der Leeseite der nordöstlichen Bastion. Die einzigen größeren Zusatzbauten sind die ellipsenförmige Bastion sowie das Außentor, das nach dem arabischen Aufstand von 1631 errichtet wurde. Zinnen und Brüstungen sind hinzugefügt oder mehr als einmal abgeändert worden, aber Fort Jesus selbst bewahrte seinen Stil einer Festung des 16. Jahrhunderts und ist eines der schönsten Beispiele seiner Art.
Heute liegt es friedlich in der tropischen Sonne, doch das war nicht immer so. Während einer stürmischen Vergangenheit wechselten sich die Besitzer mehrmals untereinander ab (Portugiesen, Araber, Sultane, Briten) und erlebten wilde Zeiten, Mord, Belagerung, Hungersnot, Seuchen, Intrigen und blutige Kämpfe. Eine Zeit lang diente das Fort auch als Gefängnis, bevor es 1960 zu einem Nationalmuseum erklärt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Heute wird es von mindestens 150.000 Besuchern jährlich besichtigt, die außer der massiven Festung auch die gut erhaltenen Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus verschiedenen mittelalterlichen Siedlungen an der Küste sowie von dem Wrack einer portugiesischen Fregatte bewundern können.
Die 42 Tonnen Fregatte "Santo Antonio de Tanna" wurde 1680 in Goa erbaut und ist 1697 während der großen Belagerung direkt vor dem Fort Jesus gesunken. Neben dem Eingang zum Fort Jesus sind Kanonen von der britischen H.M.S. "Pegasus" und von der deutschen "Königsberg" aufgestellt. Während dem Ersten Weltkrieg wurde die "Pegasus", als sie 1914 zur Reparatur im Hafen von Sansibar lag, von der "Königsberg" beschossen und versenkt. Die "Königsberg" wurde von englischen Kriegsschiffen im Rufijidelta während zehn Monaten blockiert, bis die Besatzung schließlich den Kreuzer sprengte. Die Kanonen von der "Pegasus" und der "Königsberg" wurden geborgen und die Geschütze auf Räder montiert und später zur Verteidigung an Land erfolgreich eingesetzt.
1990 wurde per Zufall ein neuer Fund im Fort entdeckt, als einem Museumsangestellten direkt neben dem Fußweg ein Stück Metall und eine weißliche Scheibe aufgefallen waren. Ein Expertenteam konnte an dieser Stelle ein vollständiges menschliches Skelett ausgraben und an der Fundstelle kann man heute eine Nachbildung dieses Skeletts besichtigen.
Direkt neben dem Fort Jesus befindet sich das Alte Gerichtsgebäude, das 1902 vom britischen Gouverneur Sir Charles Elliot offizell eröffnet wurde. Es ist ein feines Beispiel des Baustils während der Kolonialzeit in Ostafrika. Es steht heute unter Denkmalschutz und dient in erster Linie als Gemäldegalerie und für andere Ausstellungen sowie für Seminare. 2001 wurde das Fort Jesus von der portugiesischen Calouste Gulbenkian Stiftung für rund Kshs 4,2 Millionen restauriert. Gleichzeitig wurde rund um das Fort und das Gerichtsgebäude die Gartenanlage neu gestaltet und die beiden historischen Bauten erstrahlen nachts im Scheinwerferlicht.
In der Altstadt von Mombasa hat man Gelegenheit, der lebendigen Kultur auf Schritt und Tritt zu begegnen. Besonders interessant sind die geschnitzten Türen, die nicht nur als wertvoller Besitz, sondern als Statussymbol galten.
Nördlich von Mombasa liegt die ehemalige Siedlung Jumba la Mtwana, die einen Einblick in das Leben der Küstenbewohner im 16. Jahrhundert gewährt, als die Suahelizivilisation von Handel und Landwirtschaft lebte.
Im fruchtbaren Hinterland wurden Nahrungsmittel für die ständig zunehmende Bevölkerung an der Küste sowie auch für den Export angebaut. Exportiert wurden vorwiegend Agrarerzeugnisse und Rohmaterialien wie Gold, Elfenbein, Mangrovenstangen, Ambra, Schildpatt und getrockneter Fisch. Importiert wurden unter anderem Glasperlen,Tonwaren und Porzellan.
Die Jumba Ruinen bestehen aus Wohnhäusern (Haus der vielen Türen, Haus der Küche, Haus der Zylinder - so benannt nach ihren besonderen Merkmalen), Zisternen, Moscheen und Gräbern. Das Gelände mit riesigen mehrere hundert Jahre alten Baobabbäumen und anderen einheimischen Sträuchern zieht sich bis hinunter zum Strand, wo sich ein Picknickplatz befindet.
Am Südende der Moschee am Strand führt ein schmales Tor zu einer Zisterne mit drei runden Fußreibsteinen, wahrscheinlich der Waschplatz der Frauen. Der Hauptwaschplatz mit zwei Zisternen und vier Fußreibsteinen befindet sich am anderen Ende. Die Leute wuschen sich vor dem Beten und benutzten die Reibsteine, um die Füße zu trocknen und die Hornhaut abzuschaben. Es gab mehrere Arten von Korallensteinen mit unterschiedlichem Rauheitsgrad.
Weiter nördlich, auf dem Südufer des Kilifi Creek liegen die Ruinen von Mnarani, bestehend aus einer großen Freitagsmoschee, einer kleineren Moschee und einer Gruppe von Gräbern aus dem 15. Jahrhundert, von denen das Säulengrab besonders auffällt.
Die Gebetsnischen der Moscheen und die Gräber sind reich verziert und mit arabischen Inschriften versehen.
Die Ruinen von Mnarani liegen an einem wunderschönen Platz, hoch über dem Kilifi Creek und bieten einen herrlichen Ausblick auf das smaragdgrüne Wasser und die Brücke.
Rund 15 km vor Malindi liegt Gedi, eine arabische Stadt aus dem 15. Jahrhundert, die sich über 45 Acres erstreckt. Heute sieht man unter den Ruinen Moscheen, Paläste, Zisternen, Tore, vierzehn einstöckige Häuser und ein datiertes Grab.
Innerhalb der Palastmauern erkennt man den Gerichtssaal mit einer langen Bank am Ostende, wo die Richter saßen, vor der Mittagssonne gut geschützt.
Unter den ausgegrabenen Gegenständen waren chinesisches Porzellan, indisches Glas und islamische Töpferwaren. Indischer Karneol, Augenbrauenstifte und Bidets weisen auf eine wohlhabende Bevölkerung hin. Ein Rätsel bleibt die plötzliche Räumung der Siedlung im 17. Jahrhundert. Mörtelarbeiten wurden halb vollendet abgebrochen und es sind keine Skelette gefunden worden.
In der großen Anlage führen Wanderwege durch den Küstenurwald und aus den Ruinen wachsen riesige Feigenbäume, deren Luftwurzeln wie dicke Finger in die Mauern greifen. Alle diese historischen Stätten sind gut ausgeschildert und am Eingangstor stehen jeweils kleine Handbücher zur Verfügung sowie Reiseführer, die Besucher auf einen Rundgang begleiten und ihnen alles Wissenswerte zeigen und erklären.

Quelle: Coastweek